Fachtage

2016 Zeit- und Zielperspektive

Das Thema dieses Fachtages beeinhaltet die Zeit- und Zielperspektive für Kinder, die nicht bei ihren leiblichen Eltern leben können, sondern in Pflegefamilien untergebracht sind oder untergebracht werden müssen.

 

Bei der Aufnahme eines Kindes ist es wichtig zu definieren, in welchem Zeitraum eine Verbesserung in der Herkunftsfamilie möglich ist. Hier spielt das Alter des Kindes eine wesentliche Rolle. Möglichst im Rahmen des kindlichen Zeitempfindens sollte eine Klärung des Pflegeverhältnisses insofern herbeigeführt werden, ob es sich um ein befristetes Pflegeverhältnis mit eventueller Rückführung zu den leiblichen Eltern oder um eine mögliche Dauerpflege bis zur Verselbständigung handelt.

 

Ebenso ist es wichtig die Ziele zu konkretisieren, d. h., was an Entwicklung machbar ist und welche Voraussetzungen dafür geschaffen werden müssen.

 

Die Referenten werden die gesetzlichen Voraussetzungen auch bezogen auf die letzten Gerichtsentscheidungen des Bundesverfassungsgerichtes und die pädagogischen Möglichkeiten von Kindern in Pflegefamilien vortragen und mit den Teilnehmer/innen anhand von Beispielen erörtern.


 

2015 Bindung und Trauma, Heilung in der Pflegefamilie?!

Die kindliche Realität traumatischer Erfahrungen wird von den beteiligten Erwachsenen oft nicht angemessen wahrgenommen und traumatisierende Eltern werden idealisiert. Will man dem Kind jedoch gerecht werden und ihm helfen, das Erlebte zu verarbeiten, muss man sich als Pflege eltern konkret vorstellen können, was kindliche traumatische Erfahrungen im jeweiligen Alter bzw. in der jeweiligen Entwicklungsphase des Kindes bedeuten und dabei vor Augen haben, dass Säuglinge und Kleinkinder existenziell von Eltern abhängig sind. Denn diese Tatsache hat zur Folge, dass durch die Beziehungsperson verursachte traumatische Erfahrungen zu einer existentiell erlebten Bedrohung beim Kind führen.

 

Zur Beantwortung der Frage nach trauma- tischen Erfahrungen in der Herkunftsfamilie reichen nicht alleine die bekannten Tatsachen aus den Jugendamtsermittlungen aus; es müssen auch die Angstinhalte und Reaktionsauffälligkeiten des Pflegekindes im Integrationsprozess berücksichtigt werden.

 

Nicht selten wird erst im Verlauf des Integrationsprozesses eines Pflegekindes in der Pflegefamilie deutlich, wie tiefgreifend es seelisch verletzt bzw. traumatisiert wurde.

 

Solche traumatisierenden Erfahrungen können bei konstanten Rahmenbedingungen in einer Pflegefamilie weitgehend heilend aufgearbeitet werden.


2014 Kontakte zu Herkunftseltern

Kontakte zwischen Pflegekindern und ihren Eltern und Angehörigen werden in den §§ 1684 und 1685 geregelt. Die Rechtsnorm unterstellt allgemein, dass Kontakte zwischen Eltern und Kindern – so wie bei Scheidungskindern – zu deren Wohl sind und gibt Eltern nicht nur ein Recht auf Umgang, sondern verpflichtet diese auch dazu, damit erhaltenswerte Beziehungen nicht abbrechen. Umgänge haben aber bei vielen Pflegekindern aufgrund negativer Vorerfahrungen, der Trennung und bei Sorgerechtsbeschränkungen auch negative Auswirkungen, die immer wieder hingenommen werden müssen, wenn den Elternrechten Vorrang eingeräumt wird und wenn eine Entspannung in der Umgangssituation selbst nicht gelingt. Umgänge verfolgen verschiedene Ziele in meist hochkomplexen Situationen. Zum Wohl des Kindes muss hier versucht werden eine sichere Basis für das Miteinander von Herkunfts- und Pflegeeltern oder eine gesunde Distanz  zu schaffen.

Im Rahmen der Veranstaltung ist ausreichend Raum vor dem Hintergrund entwicklungs-psychologisch gesicherter Erkenntnisse und vor den rechtlichen Vorgaben, Möglichkeiten der Umgangsgestaltung und Grenzen des Umgangs zu besprechen und Lösungen zu erörtern. Neben dem  Referat ist in den Arbeitsgruppen Raum für mitgebrachte Themen und Fragen zu Umgängen in der Vollzeit- und der Bereitschaftspflege, zu Formen des begleiteten und beaufsichtigten Umgangs und Grenzen der Beschränkung sowie Chancen in der freien Gestaltung durch Pflege- und Herkunftseltern.


2013 Vormundschafts- und Beistandsrecht

Amtsvormund?  Einzelvormund? Berufsvormund?

Viele Begriffe rund um das Vormundschaftsrecht sind für Laien nichteinfach zu verstehen.

Unsere Erfahrungen der letzten Jahre zeigen sehr deutlich, wie wichtig die Position des Vormundes für die Lebenssicherheit und-perspektive eines Pflegekindes ist. Eine solche Vormundschaft muss von engagierten und dem Kind zugewandten Personen ausgeübt werden. Laut Gesetz soll  die Aufgabe eines Vormundes vorrangig von einem Einzelvormund geleistet werden. Nur wenn ein solcher nicht zur Verfügung steht, kann das Gericht auf einen Vereins- oder Amtsvormund zurückgreifen.


2012 "Rechtliche Rahmen-bedingungen im Pflegekinderwesen"

Wer sind eigentlich die Beteiligten?


Das Kind, seine Herkunftseltern, das Jugendamt und die Pflegeeltern.
Eigentlich ist doch alles ganz einfach oder? Ein Kind lebt im Heim, der Vater hat es missbraucht, die Mutter hat den Missbrauch nicht verhindert, das Kind hat sich selbst gerettet und der Erzieherin da-von berichtet. Der Vater ist zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden, die Kindesmutter hat die Scheidung eingereicht. Den Eltern wurde das Sorgerecht entzogen, dem Vater kein Besuchs-recht eingeräumt, der Mutter kann durch die Sozialarbeiter des Jugendamtes vermittelt werden, dass die Tochter sie als nicht beschützende Mutter erlebt hat und sie von dem Kind auch für das Leid verantwortlich gemacht wird. Sie verzichtet auf Besuchskontakte und bekommt die Zusage ei-ner großzügigen Information.

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Vortrag Heinzjürgen Ertmer
Gelingende Pflegekindschaft 081012.pdf
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2011 "Hilfeplanung und Besuchskontakte"

Der einfachheithalber haben wir den Vortrag als Download bereitgestellt.

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Vortrag Heinjürgen Ertmer
Hilfeplan-29.10.2011-Ertmer.pdf
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2010 "Wenn Sozialarbeiter und Pflegeeltern an ihre Grenzen stoßen"

Die Idee zu diesem Fachtag entstand aus den Beratungen des Landesverbandes, bei denen zunehmend festgestellt wurde, dass es bei der Problembewältigung im Alltag mit einem Pflegekind oft nicht an dem Willen aller Beteiligten mangelt, zum Wohl eines Pflegekindes zu entscheiden und sich einzusetzen, sondern an der Unsicherheit, mit welchem Selbstbewusstsein jeder in seinem Bereich auftritt, um dem Pflegekind einen klarstrukturierten Weg aufzuzeigen. Der selbstbewusste Blick einer jeder Profession auf das KIND kann vor hilflosen Situationen schützen. Dabei in kooperativer Kommunikation zu bleiben und alle Gegebenheiten um das Kind zu akzeptieren und zu respektieren, sollte das Ziel sein. Dieser Fachtag kann entsprechende Impulse geben.

"Wenn Pflegeeltern und Fachkräfte an ihre Grenzen stoßen, dann haben sie in der Regel Kinder bei sich aufgenommen (Pflegeeltern) oder Kinder zu betreuen (Sozialarbeiter) denen gegenüber grenzverletzendes Verhalten die Normalität war." Hj.Ertmer


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Wenn Sozialarbeiter und Pflegeeltern an ihre Grenzen stoßen v. Hj.Ertmer
Vortrag Grenzen Rendsburg 30.10.10.pdf
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2009 Traumatische Erfahrungen in der Kindheit

Traumatische Erfahrungen in der Kindheit Langfristige physische und psychische Folgen Chancen der Verarbeitung in der Pflegefamilie

Referenten:

Prof. Gert Jacobi
Chefarzt a. D. Kinderklinik Frankfurt

Frau Dr. Alheidis von Studnitz (Ersatz für Michaela Huber, ***ÄNDERUNG***)
Kinder- und Jugendpsychologin

 

Leider müssen wir Ihnen heute mitteilen, dass die Referentin Frau Michaela Huber kurzfristig Ihre Zusage wegen anderer Terminverpflichtungen zurückgezogen hat. Wir freuen uns in dieser Situation jedoch besonders über die kurzfristige Zusage der wirklich hoch erfahrenen Kinder- und Jugendpsychologin und Gutachterin Frau Dr. Alheidis von Studnitz aus Kiel.

Frau Dr. von Studnitz wird über folgende Inhalte referieren:

a.. langfristige psychische Folgen eines kindlichen Traumas
b.. Verarbeitung von Traumata
c.. Chancen der Verarbeitung in der Pflegefamilie
d.. mögliche therapeutische Verarbeitung mit Hilfe der Pflegefamilie
e.. Diskussion

Wir stellen Ihnen hiermit frei Ihre Anmeldung unter den neuen Voraussetzungen zurück zu ziehen. Bitte melden Sie sich kurz bei uns, wenn Sie Ihre Anmeldung stornieren wollen. Bereits bezahlte Beiträge werden selbstverständlich erstattet. Hören wir nichts von Ihnen, bleibt Ihre Anmeldung bestehen.

Vielen Dank für Ihr Verständnis. Wir freuen uns auf einen möglichst gelungenen Fachtag.

 

Der gesetzliche Auftrag der Jugendhilfe „Schutz des Kindes durch Beratung, Hilfe und Kontrolle„ darf nicht aus dem Auge verloren werden.

In der heutigen Jugendhilfewelt kommt es jedoch öfter vor, dass dieser gesetzliche Auftrag aus dem Blickfeld gerät. Kinder leiden in massiver Weise.
Eindrucksvoll werden Schäden von Kindern in dem Buch „Kindesmisshandlung und Vernachlässigung“ von Gert Jacobi dokumentiert und ausgewertet. Es
werden die Problemlagen in den Herkunftsfamilien aus der Sicht des betroffenen Kindes und die notwendigen staatlichen Maßnahmen zum Schutz
von Kindern deutlich gemacht, aber auch die Folgen, wenn staatliches Handeln für Kinder ausbleibt.


2008 Das Pflegekind und seine Beziehung zu den leiblichen Eltern

Monika Nienstedt: Die Bedeutung der leiblichen Eltern für das Adoptiv- und Pflegekind
Arnim Westermann: Die Trennung des Kindes von den Eltern und die Verleugnung der Trennung durch aufrechterhaltene Besuchskontakte

Die Autoren Nienstedt/Westermann gelten als DIE Experten auf dem Gebiet der Sozialisierung daueruntergebrachter Pflegekinder. Ihr Buch "Pflegekinder" ist nun seit Jahrzehnten ein Standardwerk auf diesem Gebiet.

 

1. Vortrag:
Monika Nienstedt: Die Bedeutung der leiblichen Eltern für das Adoptiv- und Pflegekind

Bei der Vermittlung von Pflegekindern ist heute ein Denken weit verbreitet, das die Zugehörigkeit des Kindes zur Herkunftsfamilie und deren Wert für die Identitätsentwicklung des Kindes betont völlig unabhängig davon, wie alt das Kind bei der Vermittlung war und welche Art von Erfahrungen das Kind mit den leiblichen Eltern gemacht hat. Pflege- wie auch Adoptiveltern geraten dadurch leicht unter erheblichen Erwartungsdruck, die Bedeutung der leiblichen Eltern frühzeitig zu würdigen und eine gute, annehmende Beziehung des Kindes zu ihnen – direkt oder indirekt – zu fördern auch dann, wenn sie von traumatischen Erfahrungen des Kindes wissen und die Folgen beim Kind unübersehbar sind. Diese Auffassungen sind aber weder mit den Ergebnissen der Sozialisationsforschung über die Entwicklung und die Natur von Eltern-Kind-Beziehungen noch über die Wirkung und Verarbeitung traumatischer Erfahrungen vereinbar. Erst wenn man diese Erkenntnisse berücksichtigt, kann man mit dem Kind klar reden, ihm Sicherheit in Beziehungen geben und ihm bei der Verarbeitung traumatischer Erfahrungen helfen.

2. Vortrag:
Arnim Westermann: Die Trennung des Kindes von den Eltern und die Verleugnung der Trennung durch aufrechterhaltene Besuchskontakte

Wenn ein Kind aufgrund von Vernachlässigung oder Mißhandlung bei seinen Eltern auf Dauer in einer Pflegefamilie untergebracht wird und gleichzeitig regelmäßige Besuchskontakte der leiblichen Eltern mit dem Kind erfolgen sollen, geraten alle am Pflegeverhältnis Beteiligten, das Kind, die Pflegeeltern, aber auch die leiblichen Eltern in eine unmögliche Lage: Das Kind kann nicht zwei Mütter haben, die leiblichen Eltern verlieren ihre Elternrolle, wenn sie nicht tagtäglich für das Kind sorgen, obwohl man ihnen einredet, daß sie die Eltern bleiben, die Pflegeeltern können sich nicht, wenn sie Rücksicht auf das Kind nehmen, seinen Wünschen versagen. Davon wird zu reden sein, aber auch davon, daß die traumatischen Erfahrungen und die Trennung des Kindes von den Eltern verleugnet wird, wenn trotz dieser unmöglichen Lage Besuchskontakte gefordert, durchgesetzt und durchgeführt werden. Die Folge ist dann nur zu oft, daß das Kind keine Chance hat, neue Eltern-Kind-Beziehungen zu entwickeln und die traumatischen Erfahrungen zu bewältigen.


Datum: 1.11.2008

Ort: Bürgerhaus Kronshagen


2007 Vernachlässigung und Gewalt

„Was bewirkt die in der Herkunftsfamilie erlebte Vernachlässigung und Gewalt in der Pflegefamilie?“

Im März fand unser Fachtag 2007 in Zusammenarbeit mit der Stiftung zum Wohl des Pflegekindes statt.
Die Referentin, Hildegard Niestroj, Dipl.-Pädagogin, Frankfurt a.M., gab konkrete Handlungsempfehlungen für die Pflegeeltern.

An realen Beispielen aus ihrer langjährigen Praxis verdeutlichte Frau Niestroj, was die in der Herkunftsfamilie erlebte Vernachlässigung und Gewalt noch lange Jahre danach beim Kind selbst und in der Folge in der Pflegefamilie bewirkt.

Sensibilisiert wurden die teilnehmenden Pflegeeltern und Sozialarbeiter durch die realen von eben diesen Kindern gemalten Bilder aus der Therapiepraxis von Frau Niestroj, aus denen sehr plastisch hervorging, daß wir die alles überschwemmende Angst und Wut des Kindes angesichts des Erlebten trotz aller unserer Bemühungen kaum nachempfinden können.

Ein Junge brachte dies krass zum Ausdruck, als die Therapeutin ein Gesicht malte, daß Angst zum Ausdruck bringen sollte. Das Bild der Therapeutin zeigte in seinem Empfinden lediglich Ängstlichkeit. DAS BILD DES JUNGEN zeigte ungebremst ANGST; schon nur für den Betrachter beklemmend !

Wichtig ist daher, die Wut nicht zu leugnen, ihr Raum zu geben.

Frühe Traumata verschwinden nicht spurlos; in Streß- und Erregungssituationen tauchen sie wieder auf. Das Pflegekind bleibt reizempfindlich. Daher sollten Flashbacks vermieden werden, da das Kind die alten Gefühle so erlebt, als ob es gerade passiert.

Im Umgang mit solch streßbelasteten kritischen Situationen regte die Referentin ein "2-Wege-Modell" an; soll heißen, traumatisierten Kindern einen Fluchtweg offenzulassen, in dem wir dem Kind 2 Wege anbieten statt ihn zu einem Weg zu zwingen.

Wir danken Frau Niestroj für ihren praxisnahen Fachtag. Am Rande der Veranstaltung wurden durch unsere Vorstandsmitglieder wieder einige persönliche Beratungsgespräche geführt. Unsere Kinder waren in der durch unseren Landesverband organisierten Kinderbetreuung gut aufgehoben.

Wir danken dem Best Western Hotel Prisma in Neumünster für die freundliche Unterstützung.


2006 "Was benötigen Pflegekinder – Was leisten Pflegeeltern"

Unter Schirmherrschaft der Ministerin Frau Dr. Trauernicht lud der Landesverband nach Neumünster zum Fachtag ein. Mit Prof. Dr. Kurt Eberhard und Frau Prof. Dr. Dr. h.c. Gisela Zenz konnten gleich 2 ausgewiesene Experten des Pflegekinderwesens gewonnen werden. Hier die Bilder vom Fachtag.

Fachtag 2006 „Was benötigen Pflegekinder – Was leisten Pflegeeltern“

Die Antwort von Prof.Eberhard lautete kurz und knapp:

LIEBE – RUHE – STETIGKEIT

An vielen sehr plausiblen Einzelbeispielen unter Vorlage des IPP ( Intensiv Pädagogischen Programms, Berliner Modellprojekt ) machte er deutlich, wie groß der Hilfebedarf für Pflegefamilien mit schwierigen Kindern häufig ist und wie sinnvoll und hilfreich dabei Gesprächsgruppen von ebenfalls betroffenen Pflegefamilien bei der Bewältigung des Alltags mit Pflegekindern sein kann. Mit nachfolgendem Gleichnis regte Prof.Dr. Eberhard an, Rückkehroptionen und Umgangskontakte mit Blick auf das Kindeswohl kritisch zu hinterfragen.

Gleichnis vom verkümmerten Pflänzchen im neuen Mutterboden

Wenn ein Gärtner ein verkümmertes Pflänzchen

aus unzulänglicher Erde

in gute Muttererde umtopft,

wird er dann diese Pflanze immer wieder herausreißen,

um sie in ihrem Heimatboden gastieren zu lassen?

Oder wird er nicht lieber geduldig warten,

bis ihr Wurzelwerk genesen

und auch der Heimatboden gründlich saniert ist?

Und wird er nicht sogar dann sehr sorgfältig abwägen,

ob es vielleicht besser sei,

sie dort zu lassen,

wo sie endlich aufgeblüht ist?

Eben dieses Gleichnis fand sich in dem dem Vortrag von Prof.Eberhard vorausgehenden Referat von Frau Prof. Zenz gleichermaßen wieder.

In dem Referat von Frau Prof. Zenz ging es um die Bedeutung der Erkenntnisse von Bindungs- und Traumaforschung sowie deren Entwicklung. Frau Zenz machte dabei deutlich, wie wichtig die genaue Planung der Hilfe für Kinder aus hoch belasteten Familien für die Zukunft dieser betroffenen Kinder ist und wie wichtig es für das Kindeswohl ist, störende Einflüsse auszuchließen oder zu beschränken. Nur bei einer durchdachten Vorplanung mit den entsprechenden Zielen für eine bestimmte Pflegeform, ob eine auf Dauer angelegte Unterbringung notwendig wird, ob eine Rückführung ins Auge gefasst werden kann, oder ob nur eine kurze Unterbringung notwendig ist, unter Beachtung der verschiedenen wissenschaftlichen Bedeutsamkeiten, kann für Kinder in Pflegefamilien eine genesende Entwicklung innerhalb einer Pflegefamilie eingeleitet werden. Nach der Mittagspause berichtete Frau Hopp Vorsitzende der BAG KiAP (BundesArbeitsGemeinschaft für Kinder in Adoptivfamilien ) über die Arbeitsschwerpunkte der BAG KiAP seit der Gründung im Januar 2005. Die Arbeit teilt sich innerhalb der Mitglieder auf. Es konnte durch intensive fachbezogene Arbeit an Schwerpunktthemen, ein großes öffentliches Interesse und Ansehen erreicht werden.

Die Arbeitsgruppen am Nachmittag waren gleichmäßig gut besucht. Die Möglichkeit, seine persönlichen konkreten Fragen mit den Fachleuten zu klären, wurde von den Teilnehmern sehr begrüßt und nach der Abschlussrunde konnten wir als Veranstalter zufriedene Teilnehmer nach Hause entlassen.


2005 "Kinder zwischen den Stühlen"

In enger Kooperation mit Pflegeelternverein Lübeck und Umgebung fand am 03.12.2005 der Fachtag des Landesverbandes für Kinder in Adoptiv- und Pflegefamilien in Schleswig Holstein statt. Gemeinsam hatten wir Herrn Prof. August Huber aus Stuttgart eingeladen.

 

Er referierte zu dem Thema: Kinder zwischen den Stühlen – Mit Kindern über schwierige Themen reden.

Durch seine eigene Erfahrung in der Erziehung von Pflegekindern in seiner Familie und durch die Beratungstätigkeit in der Pflegeelternschule in Baden- Württemberg konnte Prof. Huber die besondere Problematik der meisten Pflegefamilien ansprechen.

 

In der Gegenüberstellung zwischen dem Aufwachsen eines normalen, gesunden Kindes in einer Familie und dem teilweise katastrophalen Aufwachsen von Kindern in ihren Herkunftsfamilien, mit entsprechenden Folgen, konnten die Anwesenden schnell ein Verständnis für die zeitweilig erheblichen Verhaltensauffälligkeiten ihrer Pflegekinder erhalten.

 

Ebenso wurde deutlich, dass auch „die normale Umwelt“ mit den Pflegekindern und deren Pflegefamilien nicht unbedingt verständnisvoll umgehen kann. Somit wird dem Pflegekind immer wieder deutlich, in besonderer Weise anders zu sein, als viele Kinder bei leiblichen Eltern.

 

Gute Ratschläge konnte Prof. Huber den Pflegeeltern anhand von verschiedensten Praxisbeispielen mit auf den Weg geben, inwieweit eine konsequente, liebevolle und annehmende Erziehung unsere Kinder auf einen sicheren Weg führen kann.

 

Dazu, waren sich alle Teilnehmer einig, muss die Jugendhilfe durch eine genaue und umsichtige Planung intensiv mitwirken und ihr Handeln an Kindesinteressen ausrichten und finanzielle Aspekte unterordnen.

 

Der Landesverband möchte sich an dieser Stelle noch einmal sehr herzlich für die große Unterstützung durch die Pflegeeltern des Vereins Lübeck und Umgebung bedanken. Alle Angelegenheiten, die vor Ort zu regeln waren, wurden vom Lübecker Verein übernommen. Das Tagungshaus war gut geeignet für eine Fachveranstaltung in diesem Rahmen.

 

Ebenso dürfen wir uns in eigener Sache recht herzlich bei Prof. Huber bedanken, der seit dem 3.12.2005 unserem Beirat angehört und uns beratend zur Seite steht.

 

Birgit Nabert

Dezember 2005